Folk-Ikone Melanie schwamm auf einer Sympathie-WelleKiel - Selbstverständlich, stehende Ovationen. Kein Wunder, schließlich steht hier eine Folk-Ikone auf der Bühne, eine lebende Woodstock-Legende. Aber nicht nur in dieser Hinsicht sind die Ehrenbezeugungen berechtigt. Sie sind verdient, weil Melanie Anne Safka-Schekeryk, bekannter nur unter ihrem Vornamen, in der Traum GmbH ein bravouröses Konzert gespielt hat.
Sie ist immer ganz nah bei ihrem Lied, wenn sie singt. Das macht Melanies Faszination aus. Egal, ob es eines der frühen ist, das sie schon so oft gesungen haben muss oder eines von den neuen, sie taucht ein. Nie wirkt das aufgesetzt, plakativ, naiv. Auch nicht ihre Botschaften von Frieden und Liebe, denen man geneigt ist, mit skeptischem Hochziehen der Augenbrauen zu begegnen. Sie klingen gereift, glaubhaft und bar jeder Kitschigkeit. Nicht zuletzt deshalb, weil die charismatische Melanie nicht mit Humor und Selbstironie spart.
The Champagne Song macht den Anfang. Die ersten Jauchzer hallen durch die Halle, seliges Lächeln hier und da. Tosender Beifall nach dem letzten Ton, der sogleich wieder aufbrandet bei den ersten Akkorden des nächsten Stücks, begleitet von Seufzern des Wiedererkennens:
Beautiful People, einer der beiden Songs, den sie auf dem Woodstock Festival gesungen hatte. „Das haben vielleicht zwei Prozent der Leute gehört, die damals dort versammelt waren“, erzählt sie lächelnd. Und nur wenige können es sich leisten, einen Hit wie
Ruby Tuesday ohne jede Koketterie mit den Worten anzukündigen: „Hier ist noch ein altes.“
Keine Spur von Distanziertheit gegenüber dem Publikum, selbst die hohe Bühne in der Traum GmbH und der weite Abstand zu den Reihen sind kein Hindernis. Nach ein paar Liedern fragt Melanie nach Wünschen, spielt auf Zuruf sogleich
Animal Crackers. Erzählt Geschichten zu den Songs. Etwa, dass sie den Background-Chor-Part ihres Hits
Brand New Key gehasst habe, „weil ich Angst hatte, ich könnte jetzt für alle Zeit dazu verdammt sein, süß zu sein“. Singt sie ihn, erst mit ihrer reifen, tieferen Stimme, dann überdreht in die mädchenhafte Höhe des Originals geschraubt. Gelächter im Rund.
Später erzählt die 62-Jährige, sie verstehe den grassierenden Jugendwahn einfach nicht, „niemand will alt werden“. Dabei habe sie jetzt so viel mehr Spaß als früher. Mit ihrem Sohn Beau Jarred, der sie in der Traum GmbH virtuos und einfühlsam auf der Gitarre begleitete, habe sie das Lied
I Tried To Die Young geschrieben. „Hast Du das wirklich?“, fragt einer vorn aus dem Publikum. „Oh ja, das habe ich“, antwortet die Sängerin nachdrücklich mit sanfter Stimme. Einen ihrer größten Hits
What Have They Done To My Song, singt sie nicht nur, sondern improvisiert ein kleines Theaterstück, bei dem sie auf der Bühne wahnsinnig würde und heruntergeführt werden müsse. „Wenn man einen Film über mich drehen würde, ich gespielt von Holly Hunter, könnte dieses Lied das Musikthema sein.“
Das hohe Niveau, auf dem Melanie agiert, verdeutlicht noch der Vergleich zu Abi Tucker, die - ebenfalls begleitet von Beau Jarred - das Vorprogramm bestritt. Die australische Schauspielerin, mit ihren 36 Jahren kein heuriger Hase mehr, verfügt über eine kräftige, melodiöse Stimme, der es allerdings wie ihren Songs an Wiedererkennungswert mangelt. Außerdem packte sie ein ums andere Mal zu viel Vibrato hinein; sobald sie sich zurücknahm, gewann ihr Gesang an Ausdruck. Durchaus ein Gewinn war sie allerdings bei der Handvoll Songs, bei denen sie Melanie als Background-Sängerin unterstützte.
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- you ride the same subway as I do -